Genau hinschauen hilft

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Vieles kann man nicht auf den ersten Blick erkennen, es sei denn, man verlässt sich auf seine Intuition oder Wahrnehmungs-Genauigkeit. Fühlen als Grundlage. Viele Angebote in unserer Gesellschaft sind auf Oberflächlichkeit, Impuls-Kauf und dem Fakt, dass Identität vielen fehlt, aufgebaut. Kreativität allerdings würde helfen, dem zu entkommen. Kreativität schafft Bewusstsein und dient der Identitätsbildung. Kochen, Tanzen, Singen, Lachen, Nähen, Stricken, Schreiben, Malen, Fotografieren, egal – es gibt tausende von Möglichkeiten.

Was ist der Vorteil von Identitätsbildung durch den eigenen Weg anstelle der vielen angebotenen Kompensationsmittel? Man bildet ein integrationsstarkes Selbst, das weniger im Außen lebt und mehr Kraft aus dem Inneren schöpft. Man fällt nicht so leicht auf Rattenfänger, Verführer, Manipulierer herein. Das sind solche, die ganz bewusst und konsequent das Wissen um die Neurowissenschaften und der Bindungstheorie nach Bowlby im Marketing oder in der Kontaktanbanhnung nutzen, um an bestehende menschliche Bedürfnisse nach Wohlbefinden, Balance, Identität, Beziehung und vielem mehr ‚anzudocken‘ . Das sind auch solche, die einem Dinge versprechen, die letztendlich, wenn man dann wirklich die Neurowissenschaften kennt, so gar nicht funktionieren können – dazu gehören auch viele der Online-Advertisements auf sämtlichen Kanälen. „Werde sofort glücklich“ oder „Reich in 50 Tagen“ oder „Falten weg in 14 Tagen“ – oder was auch immer. Hier gilt es sensibel zu werden und zu erkennen, dass ALLES, was man erreichen möchte, auch eine Entwicklung ist. Deshalb gilt es bei allen Werbeanzeigen, Glücks-Versprechen und sonstigen Slogan-Aussagen den Blick auf die Realität einzustellen: wir sind Menschen und wir können alles erreichen. Aber das sollte mit Ziel-Entwicklung, mit Abgleich auch mit unserem Unbewussten sowie mit der Erkenntnis, dass wir dafür einen Weg zu gehen haben und nicht auf Knopfdruck SOFORT wie im Schlaraffenland das Gewünschte erhalten oder gar kaufen können.

Und dann gibt es aber glücklicherweise auch diejenigen, die etwas wirklich Sinnvolles aus diesem Wissen entwickeln. Tools sind dann gut, die einem auf diesem Weg helfen, sich selbst weiterentwickeln zu können und die nicht nur kurzfristigen Effekt erzeugen.  Produkte sind dann gut, wenn man sich dann auch mittel- bis langfristig gut fühlt und nicht gleich nach dem Kauf wieder in der Ecke landen mit ungutem Gefühl. Coaches sind dann gut, wenn sie einen tatsächlich begleiten und gute Tools zur Verfügung stellen und in der persönlichen Entwicklung einen Teil des Weges mit uns gehen.

Egal also ob das also Kleidung, Lifestyle-Produkte, Coaching, Urlaub und was auch immer es fürs Wohlbefinden angeboten gibt: wenn es für Kompensation oder Dauer-Suche dient, muss man sich dann doch mal überlegen, ob einen das wirklich weiterbringt. Leben ist Entwicklung und ein Weg, den ich gerne auch in ‚Lebensphasen‘ unterscheide. Jede Lebensphase hat ihre individuelle Besonderheit, und man darf im Leben immer wieder auch etwas verändern, weil Stillstand nicht unserer Natur entspricht. Lebensphasen dienen daher geradezu, sie entsprechend zu gestalten. Ich nenne das Life Time Design.

Den Weg der Entwicklung, und darum geht es in unserem Leben, muss man immer noch selbst gehen. Und Kompensations-Mittel helfen da nicht wirklich. Zumindest nicht langfristig. Daher wird es auch immer wichtiger, sich auf sein inneres Gefühl zu verlassen bei zumindest kurzfristigen (Kauf)Entscheidungen, das allerdings bei Zuviel verstummt oder verschleiert wird. ‚Reduktion‚ ist daher eine hilfreiche Grundlage (egal was das für Sie ist: ob Stress, Dauer-Berieselung usw.), um diese Kreativität oder Vielfalt, die in jedem von uns schlummert, entfalten zu können. Der erste Schritt ist der erste Schritt zur Umsetzung. Und noch etwas: bei langfristigen Entscheidungen ist der Verstand entscheidend. Der wird allerdings ausgesetzt bei Dauer-Stress & Dauer-Zuviel, weil das für das im Gehirn zuständige Areal für Gefühle überhitzt, also gestresst wird – insoweit ist Gefühl von Verstand nicht zu trennen und umgekehrt. Sie benötigen einander. Mehr noch: sie bedingen einander. Unter anderem hilft Kreativität, übrigens auch Natur,  beides in Balance zu bringen. Fotografie als Möglichkeit für bewusstere Wahrnehmung beschreibe ich hier in diesem Blog-Beitrag.

Insoweit ist es umso wichtiger, genauer hinzuschauen bei all den Angeboten, die es auf dem Markt gibt, die Versprechen machen. Ein zweites Mal, ein drittes Mal. Und mutig nein zu sagen, wenn das Gefühl auch ’nein‘ meint. Man muss sich nichts vormachen: in einer reizüberfluteten Welt ist jeder von uns davon betroffen, sich immer wieder bewusst zu machen, wie beeinflussbar man ist, wenn man nicht auf eines achtet: Reduktion.

Mir selbst passiert natürlich auch immer wieder mal, dass ich es eben auch mal nicht schaffe, mich vom Zuviel zu befreien. Dann passieren auch mal Freudsche Vertipper, die dann mir selbst zeigen: okay, Sabine, jetzt kannst Du wieder mal achtsamer werden. Im Hier und Jetzt bewusst den Moment erkennen und fühlen.

So geht es mir auch mit dem Genau-Hinschauen. Manchmal übersieht man etwas, manchmal ist man auch betriebsblind. Aber das macht nichts. Das Training der Wahrnehmung hilft. Ich trainiere das mit meiner Fotografie. Und immer wieder auch mit Upcycling, wenn auch nicht mehr so oft wie das schon einmal war – indem ich aus alten Kleidern etwas Neues mache. Das wiederum trainiert mich im Innovationsdenken und Einfallsreichtum.

Darauf gekommen bin ich erst mit der Zeit und aus der Erfahrung heraus, weil man beim Fotografieren sehr schnell merkt, ob man im Moment achtsam und dabei war oder ob man einfach drauflos gedrückt hat. Hier lerne ich, genau zu Beobachten und die eigene Wahrnehmung zu schulen.

Anstatt von einem ins nächste  Seminar zu rennen, empfehle ich daher, weniger oft im Außen Unterstützung und anstatt dessen weniger, dafür gezielter Unterstützung zu holen und mehr bei sich zu bleiben. Reduktion, also raus aus dem Zuviel und am besten mit ‚Stressdiät‘, ist optimal als Grundlage für (Persönlichkeits-)Entwicklung, muss aber nicht. Schritte zu machen, so beginnt Entwicklung. Es geht mit kleinen, beginnenden Steps. Das geht alltagstauglich, auch mit Fotografieren. Wichtig ist, den Schritt in die Umsetzung zu machen.

Setzen Sie sich einfach mal mit Ihrem Smartphone auseinander, indem Sie bewusst fotografieren.

  1. Was siehst Du? Beschreibe es ganz genau. Finde Worte dafür. Welche Farben nimmst Du wahr?
  2. Was fühlst Du? Beschreibe Dein Gefühl? Wer nicht nur einfach drauf los tappen mag, und sein Gefühl wirklich auch mit dem eigenen Erfahrungsgedächtnis in Verbindung bringen mag, dem empfehle ich die somatischen Marker nach Antonio Damasio, weiterentwickelt von Maja Storch/Frank Krause. Diese wende ich fast immer an, weil sie in eine Minus- und eine Plus-Skala unterscheiden und dies so bei uns Menschen auch angelegt ist: deshalb kann es nämlich auch gemischte Gefühle geben. Weil wir sowohl positive als auch negative Gefühle entwickeln können bei etwas. Es ist also nicht komisch oder merkwürdig, wenn wir ‚gemischt‘ fühlen. Aber fürs Fotografieren reicht allemal das erste, intuitive Gefühl ohne die Unterscheidung in Minus- und Plus-Skala.
  3. Was denkst Du? Erst jetzt versuche, die Situation, das Bild analytisch, also mit dem Verstand, zu erfassen. Wie könnte es noch optimaler eingestellt werden, wie könnte die Perspektive verändert werden, damit Du Dich noch etwas besser fühlst.
  4. Was verändert sich nach Perspektiven-Wechsel? Sieht es besser aus, fühlt es sich auch besser an, was denkst Du jetzt?

Dies ist lediglich eine kleine, aber alltagstaugliche Übung. Die geht mit jeder Smartphone-Kamera. Allerdings: gehen Sie bewusst heran, nehmen Sie sich wenigsten ein paar ganz bewusste Minuten für diese Übung Zeit. Wem das Spaß macht, kann das täglich machen. So entsteht Training der Wahrnehmung. Mit allen Sinnen. So kann daher auf einfache Art und Weise Kreativität ein wertvoller Bestandteil Ihres Alltages werden. Und dann kann man mit der Zeit erkennen, dass sich etwas entwickelt. Einfach so.

Wer fotografieren nicht mag, findet etwas Anderes für sich selbst heraus. Es gibt so viele Möglichkeiten.

Wer sich auf Kreativität einlässt, lernt dann auch Genauer-Hinschauen. Genauer-Hinschauen wird immer mehr benötigt in einem Zeitalter der Dauer-Berieselung. Unterscheidungs-Genauigkeit wird daher, so wie ich das sehe, ein Zukunfts-Skill werden, wenn wir nicht untergehen wollen.

Oliver Sacks, ein genialer, leider schon verstorbener und sehr anerkannter Neurologe, hat in seinem letzten Buch „Der Strom des Bewusstseins“ sehr gut darüber geschrieben, wie auch visuelle Wahrnehmung ganz deutlich zu Bewusstsein führt. Ich stelle hier das Buch extra vor, weil ich sehr auf Autodidaktik ausgerichtet bin und Seminare & Trainings dann aber ganz gezielt und situativ auswähle. Ich nehme immer gerne mal wieder Audio-CDs oder -programme in die Hand zur Unterstützung. Aber wenn man sich fast ausschließlich auf angeleitete Trainings verlässt, anstatt sich immer wieder einfach auf den Weg zu machen, zu erforschen, auszuprobieren, wegzulassen, was nicht passt, dann denke ich, geht man an der eigenen Identität immer mehr vorbei. Das Zulassen von Non-Perfektion und das Forschen, Entwickeln, Ausprobieren steht für mich daher an mindestens gleicher Stelle wie angeleitete Trainings.

Suchen ist ein Weg. Identität ist Finden. Und das muss jeder für sich selbst tun. Coaches können hilfreich sein – sie sollten allerdings wirklich nur Impulsgeber und Trainer zur Anwendung von Tools, die man selbstbestimmt anwenden kann, sein. Und temporärer Begleiter auf Deinem Weg. Das ist im eigentlichen Sinne auch Coaching.

Ich stehe also für das Herausfinden, Forschen, Entdecken. Und für Fehler-Machen, Scheitern, Loslassen, Aufstehen, Fehler-zu-Chancen-Wandeln und so weiter. Anstatt Perfektion und Subito-Lösungen kommen wir ums Fehler-Machen nicht herum. Im Gegenteil: gerade aus Fehlern lernen wir. Wenn wir sie wiederholen, haben wir etwas nicht verstanden. Wenn wir sie nochmals wiederholen, müssen wir sie halt so lange machen, bis es wieder weitergeht, weil die Lektion gelernt wurde.

Sich auf sich selbst und das innere Gespür zu verlassen, ist also hilfreich. Auch hier hilft wiederum das Training von Kreativität, um das Bewusstsein und das Gespür zu erweitern und zu schärfen. Denn dann kann man den Verstand sinnvoll dort einsetzen, wo man ihn dann auch tatsächlich braucht. Ihn allerdings auf Ausschließlichkeit zu setzen, wäre Erneuerung, Veränderung und Innovation zu verhindern. Und somit den eigenen Weg.

Meine heutigen Buchtipps dazu:


Bildnachweis: Photographics Sabine Hauswirth, Germany
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