Talent-Förderung

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Ich kenne mich nicht sonderlich gut aus auf dem Markt der Talente. Dennoch habe ich ein Bild davon, was Talent-Förderung zumindest für mich bedeutet. In einem aktuellen Beitrag eines Karriere-Beraters, den ich mir gut durchlas, scheint aber der Eindruck doch in die Richtung zu gehen, dass Talente oder BewerberInnen überhaupt so ihr kleines Problem am Markt haben.

Wie gesagt, ich kann das nicht wirklich beurteilen. Dazu gibt es die Leute, die als HR-Verantwortliche oder Personaler ihren Job tun. Was sich mir aber aufdrängt, auch aufgrund eigener Erfahrungen, ist, dass Talent-Förderung zunehmend ein Marketing-Instrument geworden ist, das Firmen ihre Alleinstellung zusätzlich untermauern soll.
Denn ist es wirklich so, dass alle Mitarbeiter und Talente immer von Außen kommen müssen? Gibt es nicht auch die eigenen Mitarbeiter, die eigentlich nur motiviert und geschult werden wollen? Ich persönlich denke, dass es zunehmend Sinn macht, die eigene Schatzkiste anzuerkennen und zu heben. Und einfach schon mal anzufangen, ganz gezielt und ohne große Aussen-Werbung die Talente im eigenen Haus strategisch zu schulen, zu trainieren, zu motivieren. Dasselbe sehe ich schon lange in der Frauen-Förderung. Wieviel Politik und Aufhebens wird um Frauenförderung für Führungspositionen gemacht? Sehr viel. Und dies natürlich zurecht. Meine Sichtweise aber ist immer schon, zunächst einmal das EIGENE  zu sehen, anzuerkennen und zu fördern – übersetzt: die Frauen im eigenen Unternehmen, und seien es die aus der „untersten“ Karrierestufe, zu fördern.
Dies würde weitaus mehr Sinn machen, als immer von Außen Frauen in Führungspositionen zu holen und damit den eigenen Frauen im Unternehmen das Gefühl zu geben, sie selbst seien nicht genügend wertgeschätzt, was in Folge dann auch immer wieder zu Problemen führt. Unnötigerweise.
Dieser Bottom-Up-Ansatz sollte Schule machen und natürlich gibt es diesen auch schon sehr häufig. Er wird aber nicht wirklich nach Außen hin gezeigt.

Aber zurück generell zu Talent-Förderung:
anstatt dessen wird Talent-Förderung oder Frauen-Förderung in Karriere-Portalen  und Hochglanz-Broschüren ganz groß ausgeschrieben – meldest Du Dich dann aber, ist die Angst vor Talent erkennbar und im eigentlichen Sinn gar nicht gewünscht. Diesen Weg zu gehen halte ich für un-authentisch.
Da ist mir ein Malerbetrieb lieber, der in seiner Stellenanzeige einen „Malermeister gesucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt, Geschlecht egal“ und ohne jegliches Geschnörksel und auch das Rechtliche dabei vergessend, ausschreibt, viel lieber, als die Hochglanz-Broschüren, die Versprechen dann nicht einhalten (können). Da weiß man/frau wenigstens, woran man ist.
Da ist mir auch lieber eine interne Bildungs-Werkstatt, oder Akademie oder wie auch immer die Lern-Schulen in Unternehmen heißen, die ihr eigenes Personal ständig und stetig für Aufstieg im Unternehmen fördert, zu Vielfalt ermuntert, auch einmal den „Change“ im Unternehmen zu wagen, anstatt im Außen per Hochglanz Werbung für den ‚Talent of Wars‘ zu machen, der dann im eigentlichen Sinne gar nicht wirklich stattfindet, sondern als Marketing-Instrument verwendet wird.

Denn was ist eigentlich Talent-Förderung?  Talent ist im eigentlichen Sinn eine Begabung, die jemand bereits mitbringt, die im also sozusagen in die Wege gelegt wurde. Davon ausgehend, dass JEDER Mensch einzigartig ist, hat also auch JEDER Mensch ein oder mehrere Talente, also Begabungen. Und zukünftig benötigen Unternehmen immer mehr Einfallsreichtum und Innovation direkt aus dem Unternehmen heraus – und wer ist nicht der beste Innovations-Ratgeber als die eigenen Mitarbeiter. Innovation und Change aber entstehen im Kopf: durch Vielfalt der Vernetzung im Gehirn, angeregt durch unterschiedliche Tätigkeitsfelder und durch Bewegung.

Diese Vielfalt bringt Leben ins Unternehmen. Und so vieles mehr an (Einfalls-)Reichtum und Wachstum. Außerdem ist Vielfalt das beste Mittel gegen Einfalt und der Angst vor Veränderung.

Damit einhergehend würde die Talent-Förderung also für jeden Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin Sinn machen, idealerweise im eigenen Unternehmen beginnen. Also bei Männern und Frauen aller Karrierestufen, bei Jung und Alt und egal welcher Beruf oder Ausbildung mitgebracht wurde.

Denn wenn aktuell so stark vor allem auch nach jungen Talenten gesucht wird, wird die Schatzkiste wiederum im eigenen Unternehmen oft übersehen: da ist die Frau oder der Mann, der die eigenen Kinder großgezogen hat und dafür bisher bewusst nur Teilzeit gearbeitet hat, nun aber wieder wieder voll einsteigen mag. Oder aber der junge Mensch, der nicht Fulltime arbeiten möchte, sich aber regelmäßig in seiner Begabung weiterbilden mag, dafür aber kein Geld hat.

Bildungs- und Lebens-Gestaltung gehören für mich deshalb zwingend zur Lebenszeit („Lifetime“) und dies habe ich auch versucht, mit meinen Lifetime Modellen zu entwickeln: dass egal, wie die eigene Lebens- und Berufsgestaltung ausschaut, ob man zuhause Kinder erzieht, oder ob man Fulltime arbeitet oder gar nicht – die eigenen Talente zu entwickeln gehören deshalb dennoch immer dazu, will man fit bleiben, (lebenslang) arbeiten oder einfach nur zufrieden sein.

    • mit der gelebten VIELFALT, ich habe das sehr ausführlich in meinem Satellite-Core-Modell beschrieben, übt und trainiert man gezielt und strategisch, unter Einhaltung EINER FOKUS-BEGABUNG, das eigene Talent – ist dadurch auch besser vor schnellen Veränderungen gefeit, die durch Berufswechsel oder sonstigen Wechseln im Leben kommen können und resilienter. Zugleich dient es der Integration ins Selbst und somit dem eigenen Wohlbefinden
    • mit UPCYCLING als Methode, schaut man ZUALLERERST immer das VORHANDENE an – übertragbar aufs eigene Selbst, auf das eigene Unternehmen, auf Materialien und Ressourcen jeglicher Art: was ist zu verändern, loszulassen, neu zu gestalten, was kann ressourcenschonend erneuert werden, ohne eine unauthentische Totalveränderung zu verursachen. Ziel dessen ist immer Authentizitäts-Erhalt, ansonsten wäre es Manipulation. Dazu gehört aber auch das Ausprobieren und Forschen – oftmals in der Bildungs-Landschaft vergessen – anstatt Frontal-Bildung und -unterricht wäre das Experimentieren und Ausprobieren so wichtig – denn nur so lernt man Dinge, die nicht ausschließlich mit Wissens-Vermittlung zu tun haben. So habe ich übrigens all meine Kreativ-Dinge gelernt: ausschließlich durch Ausprobieren und TUN. Und durch ein paar Gasthörer-Stunden an einer Modedesign-Schule. Aber das wars dann auch schon. Mein Finanz-Know, auch im übrigen den Kompetenz-Wettbewerb zum  TOP100-Finanzberater 2011, habe ich mir ausschließlich autodidaktisch erarbeitet. Dies konnte ich auch tun, weil ich immer gearbeitet habe, aber meistens von zuhause aus – auch, um die Erziehung meiner mittlerweile längst erwachsenen Kinder nicht delegieren zu müssen. Meine Berufstätigkeit habe ich daher immer UM meine Kinder HERUM gestaltet, nicht umgekehrt. Alles im Leben kostet seinen Preis, und Geld kann nie so wichtig sein wie die eigene Lebensgestaltung für Zufriedenheit.


Diese Modelle können allesamt als Trainings-Methode ins Unternehmen übertragen werden: für Vielfalts-Training, Innovations-Training, für Flexibilität und Geschwindigkeit (die auch im Kopf entsteht).

Talent-Förderung ist für mich daher sowohl privat wie auch in Unternehmen relevant. Und vollkommen unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe oder Herkunft. Talent wird geboren. Und Einzigartigkeit auch. Die Verbiegung geschieht dann erst später. Wenn wir Lebens-Gestaltung sowie Bildungs-Gestaltung neu be-greifen, so lernen wir auch, dass Berufstätigkeit nicht durchgängig sein muss, sondern auch hier Vielfalt erforderlich ist. Wir werden zukünftig nicht mehr durchgängig so arbeiten, wie das die Generationen vor uns taten. Womöglich arbeiten wir lebenslang, und damit wird dann auch Beruf und Lebensgestaltung eine neue Form der (betrieblichen) Altersvorsorge. Dazu werden definitiv lebenslanges Lernen, Forschen, Ausprobieren, Pause machen, und vieles andere mehr dazu gehören. Und dies kann in Unternehmen aufgegriffen werden. Um somit der eigenen Unternehmens-Zukunfts-Sicherung zu dienen.

Das würde auch bedeuten, dass anstelle Hochglanz-Broschüren es ausreichen würde, die hausinterne Schulung zu forcieren und das dann auf die eigene Webseite zu schreiben. Beispielsweise: „Wir bilden nicht nur aus – wir gestalten Bildung“.


Vielleicht sehe ich das auch falsch, ich weiß es nicht. Aber mittlerweile drängt sich mir immer mehr der Eindruck auf, dass Marketing vor Mensch kommt. Und diesen Weg sehe ich als einen nicht ziel-führenden Weg sowohl für die Mitarbeiter selbst als auch für das Unternehmen.


Bildnachweis: © Photographics Sabine Hauswirth, Twitterfeeds by Twitter

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