Über’s Glück stolpern

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Viele Menschen meinen, dass Glück nicht möglich sei. Oder dass „Glück haben“  immer nur von Einigen gepachtet sei – und nur ein paar wenige davon betroffen seien. Doch das ist schlichtweg falsch. Denn Glück ist möglich – und das auch noch nicht nur für ein paar „Glückspilze“.  Aber warum?

Glück zu haben ist möglich – und das funktioniert oft oder meistens auch wieder über unser Gehirn. Hirnforscher reden nicht umsonst von „Wir sind unser Gehirn“. Ich bin deshalb mehr Fan von Hirnforschern und Neuro-Ökonomen als von den vielen Chakka-Motivationstrainern, die eben mal ein kurzes Statement und Feuerwerk auf der Bühne abliefern, aber nicht ehrlich sagen, was eigentlich wirklich das Zeug für Glücklichsein oder Ziele-Erreichen oder wirksamem Selbstmanagement sind. Weil sie es entweder selbst nicht wissen oder aber weil sie einfach nur außen vor lassen, dass es mit einem einzigen Auftritt nicht lernbar ist.

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Doch zurück zum Glück. Die sogenannte Glücksformel ist etwas, das einen über etwas stolpern lässt. Also zufällig eine Information erhalten, die einen aufhorchen lässt und die man dann weiterverfolgt, weil man ihr zutraut, dass sie einem weiterhilft. Das hört sich zunächst kryptisch an, ist aber mittlerweile ernsthafte Forschung: bezeichnet als Serendipität. Was nichts anderes bedeutet, als Bedeutsames zu entdecken, ohne dass man es darauf anlegt.

Dies geschieht tatsächlich. Ich weiß es aus eigener Erfahrung – ich habe zwar klare Ziele und Visionen. Dazu auch meistens eine Strategie. Aber wohlwissend, dass Leben nicht grundsätzlich planbar ist, lasse ich mich auch immer auf das alltäglich Zufällige ein – wenn ich Informationen oder Impulse aus meiner Umgebung erhalte, die für Andere vielleicht vollkommen unscheinbar erscheinen würden, so horche ich doch bei manchen Informationen auf, die zu meinen Zielen passen könnten – und verfolge sie etwas weiter. In diesen Momenten denke ich nicht allzuviel nach, sondern verlasse mich auf mein Gefühl, auf meine Intuition. Und so bin ich auch schon immer wieder mal über mein Glück gestolpert.

Dies nennt man auch Serendipität. Der Mikrobiologe Louis Pasteur (1822-1895) sprach von einem „vorbereiteten Geist“ und machte sich durch den „Zufall“ für eine Reihe von Forschungsergebnissen berühmt. Er ist nur einer von vielen berühmten Beispielen. Heutzutage gibt es Seridipitologen wie den Niederländer Pek Van Andel, der mehr als 1000 Beispiele dafür in der Geschichte suchte, die für Serendipität sprechen – also, wo Menschen einfach nur, ohne groß nachzudenken, über bedeutsame, zu ihren Zielen passende, Informationen stolperten, die dann zu einem großen Durchbruch ihrer Ziele führten. Maja Storch, eine bedeutende Schweizer Psychologin, die ich für ihr Werk sehr schätze, nennt das die Synchronisierung des Selbst – wenn Ziele definiert und mit dem Selbst abgestimt sind, auch über sogenannte somatische Marker, stolpert man ganz unbewusst und ohne Nachzudenken oder gar planerisch an die Sache heranzugehen, über die Informationen im Außen, die man braucht. Doch zuvor benötigt das entsprechende Beschäftigung mit sich selbst, mit den eigenen Wünschen und Bedürfnissen. Mit Chakka hat das nichts zu tun.

Ich empfehle jedem, ihre Bücher zu lesen – anstatt von einem Motivations-Event zum anderen zu rennen, um hinterher nur wieder festzstellen, dass es nicht lange angehalten hat. Doch dies bedeutet eben auch sich selbst damit beschäftigen, sich auf den Prozess einlassen und sich ständig weiterzuentwickeln. Ich nenne diesen Prozess, angelehnt an das Joharis Fenster, die Arena Expansion. johari-fenster-arena-expansion

Genauso könnten wir Grimm’s Märchen, das meistverbreitetste deutsche Buch weltweit, wieder mehr wert-schätzen in Deutschland. Es steht soviel Psychologie und Lebens-Weisheit darin – und obwohl es Deutschlands meistverkaufter „Export-Schlager“ ist – in unseren Schulen kommt dieses Buch quasi nicht vor.  Doch wenn wir genauer hinschauen würden, wäre hier die beste Lebens-Schule vorhanden. Im Sinne von Serendipität nenne ich untenstehend auch ein Märchen, das dazu passt.

Das Zeitalter der digitalen Transformation wird uns vor immer mehr Herausforderungen stellen: Augmented Reality – also immer mehr (Selbst-)Optimierung und digitaler „Advice“ – dieser zunehmende Stress wird einen Ausgleich benötigen. Nicht nur in Form von ständigem Resilienz-Training, sondern auch von dem Wissen, wie der Mensch tickt und wie er Gelassenheit, Synchronizität und Selbst-Gefühl entstehen lassen kann.

Und auch wie er über’s Glück stolpern darf.

Meine Buchtipps zu diesem Thema heute sind:

  • Gebrüder Grimm – „Hans im Glück“ und andere Märchen


Fotonachweis: Photographics „Lavendelfeld“ , „Glückskind“ – © Sabine Hauswirth Germany; Buchtitelfotos bezogen aus Amazon PartnerNetSiteStripe

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