Wirtschaft neu denken

on

Jeder, der heutzutage ein Unternehmen hat, muss sich die Frage stellen, wie Umsatz generiert wird, wie hoch der Gewinn am besten ausschauen sollte – und wie Mitarbeiter dabei eingesetzt werden.

Da gibt es die Wirtschaftsordnung der Neoliberalen, die das Denken der Gewinnmaximierung und der Steigerung des Gewinns durch Wettbewerb und Egoismus vorsieht. Und es gibt die „Anderen“, die mittlerweile ihre wirtschaftliche Tätigkeit im Sinne von echten Werten, anstatt ausschließlich auf Wettbewerb ausgerichteten Gewinn-Erzielung ausrichten. Und dann gibt es diejenigen, die oftmals gar nicht mehr sehen, was wirklich in Gesellschaft und Wirtschaft direkt bei den Menschen vor sich geht. Auch hier also ein Gap, der nicht unerheblich ist für Entscheidungen mit entsprechenden Konsequenzen.

Diese neue Form des Wirtschaftens wird auch in der von mir immer wieder vorgestellten Gemeinwohl-Ökonomie Hans Felbers dargestellt – sie basiert darauf, dass auf Vertrauen (anstatt auf Wettbewerb und Konkurrenz, was auf Angst beruht) und auf Beziehung zwischen den Menschen (Mitarbeitern) und Gemeinschaft gebaut wird. Diese Kooperation zwischen Menschen wird dabei ausgeweitet auch auf die Kooperation mit der Natur. Also anstatt ständigen Ressourcen-Verbrauch die Ressourcen-Schonung in den Vordergrund zu stellen. Es gibt noch weitere Denkansätze, die ich hier in ein paar Buchtipps einfließen lasse.

Mein heutiger Blog-Beitrag geht jedoch vor allem darum, Wirtschaft neu zu denken hinsichtlich der Situation von Frauen. Angesichts der aktuellen Inauguration des amerikanischen Präsidenten Trump, dessen Sieg auch ganz stark von Frauen unterstützt wurde – und die Analyse dazu zeigt, dass es sehr viele Frauen gibt, die erfolgreiche und selbstbestimmte Frauen nicht mögen und daher auch nicht unterstützen (in diesem Fall traf es Hillary Clinton), und anstatt dessen lieber einen frauen-abwertenden Mann wählen.  Hier nun einen Beitrag und eine Diskussion über Feminismus aufzumachen, ist nicht mein Anliegen – ich möchte anregen, darüber nachzudenken, inwieweit Frauen in Unternehmen verstärkt gefördert werden sollten, um sich gut und erfolgreich zu fühlen – anstatt ständig abgewertet (durch beispielsweise nach wie vor schlechtere Bezahlung als männliche Kollegen, bei Beförderungen weniger berücksichtigt zu werden, Familie & Beruf besser vereinbaren zu können, ständigen Konkurrenzdruck anstatt Solidarität und Kooperation zu erleben und so vieles mehr) zu werden.

Ich sehe einen ganz großen Bedarf in Bildungs-Programmen und in der Förderung von Frauen – vor allem solchen, die nicht dem Establishment angehören. Und solche, die sich ständig auf der Verlierer-Position sehen und die dann wiederholt auch genau dieses Verlierer-Szenario auch immer wieder erleben und antreffen. Solche, die mit ihren weiblichen Geschlechtsgenossinnen, die einen vermeintlichen Karriere- oder Erfolgs-Vorteil haben, ständig hadern – und in Wirklichkeit letzendlich nur eine Projektion ihrer eigenen Ohn-Macht ausleben. Mit zunehmender Abnahme von wirtschaftlichen und sozialen Vorteilen wird dieses Gefühl stärker.

Wir dürfen uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass bisherige Erfolge in der Gleichberechtigung quasi per Automatismus dauerhaft Bestand haben. Die Realität vieler Frauen-Lebenswelten sieht zudem oft anders aus und auch die so vielbeschriebenen Bildungs-Gewinnerinnen gibt es eigentlich gar nicht – weil sie nicht da ankommen, wo sie eigentlich sein dürften und müssten, wo aber männliche Kollegen längst vor ihnen akzeptiert und eingestellt wurden.

Es geht darum, Rahmenbedingungen zu schaffen. Und dazu gehört für mich auch Moral. Denn wer nicht nur Gewinn-Maximierung, sondern auch Werte miteinbezieht ins Unternehmen, kommt um moralische Aspekte nicht herum. Für mich gehören hierzu die Rahmenbedingungen für Chancen-Gleichheit im Unternehmen, jenseits von Gender-Diskussionen, sondern einfach nur mit der Überschrift „Moral“. Und Moral ist älter als Religion. Auch Moral im Sinne von Gerechtigkeitsempfinden ist im Gehirn eines jeden Menschen angelegt (meine Buchtipps dazu sind heute von Frans de Waal).

Eine sehr gute Bewertung der Bildungs-Situation von Frauen und Mädchen in Deutschland und den vermeintlichen Bildungsgewinnerinnen bringt Frau Dr. Claudia Wallner bei ihrer Auswertung einer OECD-Studie  es auf den Punkt – dass es nach wie vor in Deutschland bei der Chancengleichheit und beim Zugang zu Bildung Unterschiede gibt – und zu „höherer Bildung kommen nach wievor mehrheitlich diejenigen, deren Eltern auch bereits akademisch ausgebildet sind.“ Bereits hier beginnt der Unterschied.

Den Unterschied sehen wir auch angesichts der aktuellen Protestaktionen von Frauengruppen und vielen Kreativen und Politikerinnen in den USA:  dass es auch die anderen gibt, die Trump nicht gewählt haben und die Solidarität mit Frauen anstatt deren Entwertung in Person wollen. Aber es gibt eben diejenigen, die die Falschen Götter wählen – so der Titel des hochinteressanten Buches von Arno Gruen über die Gründe, warum Abwertung gewählt wird (Buchtipp weiter unten).

In Unternehmen gilt es, umzudenken, wenn es um Werte und Beziehung geht. Wenn es darum geht, Frauen ihre Berechtigung zuzugestehen. Egal in welchen Positionen, aber vor allem denjenigen, die ohnehin schon ständig am Limit leben. Es gibt in Unternehmen, wo Konkurrenz anstatt Kooperation hochgehalten wird, automatisch ein Sieger-Verlierer-Szenario. Anstatt dem benediktinischen Prinzip zu folgen, in dem jeder Mitarbeiter seinen Möglichkeiten entsprechend eingesetzt, gefördert und bezahlt wird, werden durch Konkurrenz Druck und Angst erzeugt. Dieses Szenario trifft logischerweise nicht nur Frauen. Ich aber spreche in diesem Blog-Beitrag ,  angesichts der Inauguration von Trump und wegen dessen Wahl-Erfolg gerade auch durch Frauen, ausdrücklich von Frauen. Solchen, die sich auf der Verlierer-Seite sehen. Und dadurch meines Erachtens ideales Beutefeld für Diktatoren und Manipulatoren sind.

Für mich sind diese Frauen, die ihren Selbstwert und ihr Potenzial nicht leben können – auch dies hat ja immer Ursachen – vielleicht sogar ungewollt eine große Gefahr für die Demokratie. Sie fühlen sich als Verliererinnen, kommen nicht voran – und erleben genau das auch noch ständig in einer self-fulfilling-prophecy. Denn die wirtschaftliche Situation ALLER Frauen ist ja nach wie vor Folgende: 2 % des gesamten Welt-Vermögens ist in Frauen-Hand. Und Chancen-Gleichheit – davon sind wir tatsächlich bekanntermaßen weit entfernt. Dies greift in alle wirtschaftliche Bereiche unserer Gesellschaft. Weltweit. Und nicht alle haben genügend Bildung, Willenskraft und Optimismus, um sich von diesen vielen Widrigkeiten nicht aufhalten zu lassen. Das ist eben nicht natur-gegeben, sondern meistens erarbeitet oder gelernt.

Deshalb sind jetzt, wo viele so entsetzt sind über die Trump-Wahl, einfach nur aufgefordert, auch einmal in diesem Sinne nachzudenken – wieviel erniedrigte, gedemütigte, benachteiligte, enttäuschte Frauen kann sich ein Staat „leisten“? Sie sind durch diktatorische Manipulatoren am ehesten zu erreichen und die Folgen können wir uns vielleicht vorstellen.

Doch jede noch so kleine Gemeinschaft, eben auch Unternehmen können auf dem Weg zur Chancen-Gleichheit und zur Zufriedenheit, (Fort)Bildung  und wirtschaftlichen Sicherheit von Frauen beitragen – und damit einen Beitrag zu gelebter Werte-Demokratie anstatt Establishment-Demokratie, von der sich zunehmend auch nicht nur Frauen abwenden. Sondern ein immer größer werdender Teil der Bevölkerung, die sich als ungerecht und benachteiligt fühlt. Je mehr unsere Gesellschaft auseinanderdriftet in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht, umso mehr werden Populisten Wasser auf ihre Mühlen erhalten. Denn Gerechtigkeits-Empfinden ist in unserem Gehirn fest verankert – das wissen viele nicht, die in politischer oder wirtschaftlicher Verantwortung stehen. Der Primatenforscher Frans de Wal hat hier ein hervorragendes Buch zum Thema geschrieben, das ich jedem empfehle, der sich für das Gerechtigkeitsempfinden von Menschen interessiert. Und für Gerechtigkeit steht auch faire Verteilung und finanzielle Absicherung – für sehr viele Frauen eine nicht vorhandene Realität. Die ständigen Diskussionen über Frauen in Führungspositionen sind nach wie vor wichtig – aber weitaus wichtiger vor dem Hintergrund einer gesellschaftspolitischen Fairness erscheint mir das Beachten der wirtschaftlichen Situation von Frauen in Positionen, die meistens als „unten“ bezeichnet werden – was ich allein dafür schon abwertend empfinde. Und die faire Bezahlung und Wert-Schätzung für das, was sie tun.  Denn hier geht es oft um un-gelebte Träume und Sehn-Suchten, täglichen Überlebenskampf, die Sorge um die Kinder und deren Entwicklung, und um die Suche nach Liebe.

Wertschätzung im Unternehmen sowohl in finanzieller als auch emotionaler Hinsicht wäre daher not-wendig. Werte-Haltung wird zwar von „Oben“ entschieden, sollte dann aber „Unten“ beginnen – denn Karriere-Leitern für Frauen in Führungspositionen sind auch wichtig, aber nur ein Teil von Frauen-Leben in Unternehmen. Werte sind überall. Und ansonsten haben wir nicht verstanden, um was es geht, wenn wir von Werten reden.

Wirtschaft neu denken ist ein Prozess – der aber längst überfällig ist. Um Gemeinschafts-Werte anstatt Angst und Konkurrenz und Verdrängung hochzuhalten. Und damit eine Demokratie erst lebendig halten. Denn Angst erst erzeugt das, was wir zunehmend erleben: Populismus und Polarisation anstatt Friede und Einheit.

Meine Buchtipps zum Blog-Beitrag:




  

Dr. Claudia Wallner: Mädchen als Bildungsgewinnerinnen? (pdf)


mehr Lesetipps hier

Bildnachweis: Twitter-Feeds by Twitter, Buchcovers geliefert durch Amazon PartnerNet SiteStripe, Titelbild “ A car in the night“ ©Sabine Hauswirth

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.